Plastik-FreiTag: Frühstück im Müllberg

FrühstückGeht Ihnen das auch so? Sie frühstücken einmal alle Jubeljahre außer Haus. Aber schon kurz nachdem Sie sich an den gedeckten Tisch gesetzt haben, wünschen Sie sich woanders hin – irgendwohin, wo der Frühstückstisch auch wie einer aussieht und nicht eher einem Müllberg gleicht.

Spätestens dann, wenn jeder seinen Kaffee aufgehellt und ein Brötchen geschmiert hat, ist es aus mit der Gemütlichkeit.

Frühstück außer Haus – also in einem Café, Restaurant oder Bistro – ist für mich eher eine Seltenheit. Wenn ich es doch einmal plane, freue ich mich immer schon im Voraus darauf, mich in netter Begleitung an einen gedeckten Tisch zu setzen und mich zur Abwechslung mal bedienen zu lassen. Trotz extremer Kompromissbereitschaft in diesem Bereich werde ich meistens enttäuscht und denke immer öfter über einen spontanen Standortwechsel nach.

Ein gemütliches Frühstück

Stilvolles Keramik oder Porzellan liebevoll arrangiert auf einer hübschen Tischdecke, darauf Messer, Löffelchen und eine Serviette, frische Wurst und frischer Käse ansehnlich angeordnet auf getrennten Tellern oder Platten, verschiedene kleine Glas- oder Porzellanschälchen mit Honig und diversen Marmeladen, Butter und Quark auf Porzellan, ein netter Zuckerstreuer und ein Milchkännchen, ein Korb mit gemischten frischen Brötchen und ein weichgekochtes Ei, freundlich serviert – so stelle ich mir ein gemütliches Frühstück vor. Kerzen, Blumen, frisches Obst oder Saft wären die Garnitur, die dem Ganzen dann schon Erlebnischarakter verleihen würden.

Anders die Realität. Tischdecke oder Platzsets fehlen, Messer und Löffelchen liegen auf einer Imbissbudenserviette neben stabelbarem weißem Jugendherbergsgeschirr. Wurst und Käse, denen man im schlechtesten Fall ansieht, dass sie aus dem Discounter stammen, teilen sich einen Teller – was ich nur dulden kann, wenn mein vegetarischer Gatte nicht mit von der Partie ist. Das Ei ist garantiert so hart, dass das Gelb schon einen Grünstich hat, die Brötchen sind in der Regel einseitig aber frisch und die Bedienung gleichbleibend freundlich, jegliche Extras fehlen. Mit all dem könnte ich leben. Was mich – und da muss ich meine gute Kinderstube jetzt einfach mal außen vor lassen (Verzeih mir, Mama!) – ankotzt ist, dass es einfach unmöglich ist, diesen mäßig gemütlichen Frühstückstisch in eben diesem Zustand zu erhalten. Grund dafür ist, dass es pro Person zwei verschiedene Marmeladen, eine Schokocreme, Frischkäse, Margarine und Quark gibt – achja und Kaffeesahne. Man muss kein Hellseher sein, um zu erraten, dass all diese Köstlichkeiten in Einzelportionspäckchen aus Plastik und Aluminium stecken.

Was soll denn der Scheiß?

Genau das möchte ich am Liebsten fragen, wenn die freundliche Bedienung das Frühstück serviert. Eine Stulle auf der Hand hat mehr Charme! Vielleicht bin ich zu gut erzogen und eigentlich kann die Bedienung ja auch nichts dafür. Ich verkneife mir also den Kommentar und beschließe, mir nicht den schönen Vormittag versauen zu lassen. Aber – mal abgesehen davon, dass die Portionspackungen grundsätzlich zu klein sind – spätestens wenn alle ihr erstes Brötchen geschmiert und die „Kaffeesahne“ (von der man in der Regel nochmal das Doppelte nachbestellt, weil der Kaffee sonst ungenießbar ist) in ihre Tassen geleert haben, sieht der Tisch aus wie eine Müllhalde. Adé Gemütlichkeit!

Damit wäre eigentlich schon das Wichtigste gesagt. Wissenswert wäre vielleicht noch, dass allein vom Hersteller Turm-Sahne jedes Jahr 400 Millionen Einzelportionen Kaffeesahne das Werk der „Deutsches Milchkontor GmbH“ verlassen. Eine unfassbare Menge. Würde man 400 Millionen dieser 2 cm hohen Döschen aufeinanderstapeln, käme man auf einen Turm von 8.000.000 Metern bzw. 80.000 Kilometern. Man könnte damit also jedes Jahr zweimal den Erdball umrunden.

Vergessen wir unsere gute Kinderstube!

Nämlich die, die uns gesagt hat, dass man möglichst unbemerkt bleiben und sich nicht beschweren soll. Wir sind jetzt erwachsen und als Erwachsene haben wir auch die Verantwortung, für uns und unsere Umwelt einzustehen. Die untenstehenden Zettel (als Vorlage einmal 4 Stück für DinA4 und einmal Einzeln, damit man die Größe den eigenen Bedürfnissen anpassen kann) dürfen gerne ausgedruckt und mitgenommen werden. Und wenn Sie dann mal wieder im Müll frühstücken, drücken Sie doch der freundlichen Bedienung – besser noch der Geschäfts- oder Filialleitung – einen solchen Zettel in die Hand, werfen Sie ihn in den Briefkasten oder nutzen Sie den (leider viel zu selten) aufgestellten Kasten für „Lob & Kritik“.

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Bei großen Bäckereiketten macht es vielleicht mehr Sinn, den Text per Post, Mail oder Fax direkt an die Geschäftsleitung zu schicken. Hierzu gibt es mal wieder einen Musterbrief. Sollten Sie wider Erwarten tatsächlich Anwort bekommen – berichten Sie uns davon. Wir würden uns freuen!

@ Andrea Wlazik

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Comments

  1. super artikel, werden wir so machen!!! danke

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